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Anleitung zur Herstellung und Anwendung des Latexbindemittel-Torf-Gemisches
Rindviech
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Anleitung zur Herstellung und Anwendung des Latexbindemittel-Torf-Gemisches

Zusammenfassung:

Latexbindemittel-Torf-Gemisch (= LTG)

== Bezugsquelle ==
Wer in seinem Baumarkt keine Latex-Bindemittel findet, kann z.B. auch bei Baufan in Leipzig (http://www.baufan.de) anrufen und sich erkundigen, über wen man das Latex-Bindemittel beziehen kann. Der Schwarztorf sollte ungedüngt sein!

== Enthält "Latexbindemittel" Latex bzw. Naturkautschuk? ==
Nein! Ursprünglich war der Begriff Latex ausschließlich mit dem Naturkautschuk sowie dem Milchsaft des Gummibaums Hevea brasiliensis, des Kautschukbaums verbunden. Heutzutage enthalten Latexbindemittel sowie Latexfarben kein solches Latex mehr, sondern nur eine auch weißlich aussehende Kunstharz-Dispersion als Bindemittel. Die Bezeichnung Latex im Produktnamen weist nur den Verbraucher darauf hin, dass es sich um ein bindemittelreiches Erzeugnis handelt, das nach Trocknung eine flexible und sehr strapazierfähige Beschichtung ergibt.

== Mischungsverhältnis ==
Das Mischungsverhältnis sollte man am besten zuerst einmal auf einer alten Glasscheibe selbst ausprobieren - im Prinzip sind ganz unterschiedliche Mischungsverhältnisse tauglich. Mehr Latexbindemittel als Torf nehmen geht natürlich auch ins Geld, weswegen es sicherlich keine übermäßig gute Idee ist, aber 1:2 und abwärts ist alles machbar. Nimmt man zu viel Torf, dann bekommt man Probleme, da es dann zu bröseln anfängt und nicht mehr richtig haften will. Für Wände und Überhänge kann man z.B. ca. 1:3 mischen, für den Boden hingegen ca. 1:4 (Gesamtrelation: 10 Liter Latex-Bindemittel auf 40 Liter Torf). Nimmt man unterschiedliche Mischungsverhältnisse, dann bekommt man auch unterschiedliche Oberflächen.

== Auftragen ==
Zum Auftragen eine handvoll Masse in der Hand gut durchkneten bis aus dem ursprünglich schwarzen Schwarztorf-Latexbindemittel-Gemisch, das beim Mischen schon leicht grau wird, eine richtig graue (!) Masse entsteht. Die klebt dann deutlich besser als wenn man das Zeug direkt draufklatscht. Keine Angst: nach der Trocknung sieht man vom Latexbindemittel gar nichts mehr, alles wird tiefschwarz... Längeres Andrücken und Drankneten hilft beim Anbringen auch. Hilfreich ist auch, die Oberfläche erstmal mit dem Zeug einzuschmieren!!! Danach hält es viel besser und schneller. Dies gilt insbesondere von Problemzonen, an normalen Wänden hält das Gemisch sowieso. Es ist wichtig, dass die Masse mit dem Untergrund "vernetzt". Ist das einmal der Fall, egal ob es unbehandeltes Glas, Styropor oder sonstwas ist, dann hält die Masse nach einigen Minuten sehr gut, sogar hängend, z.B. an einer Kunstast-Unterseite. Notfalls das mit dem Gemisch eingekleidete Objekt zur Stütze mit Bindfaden umwickeln.

== Verarbeitungszeit ==
Bei Zimmertemperatur merkt man, wie die Masse nach etwa 1,5 Stunden weniger geschmeidig wird; etwas Latexbindemittel zumischen hilft dann ggf., um die Konsistenz bzw. Verarbeitungsqualität zu verbessern.

== Haftung ==
LTG haftet bei einer Mischung von 1:3 Latexbindemittel:Torf sehr gut auf unterschiedlichen Materialen! Man mache doch einfach einen Test auf einer Glasscheibe und einer Styroporplatte - danach muss man es mit Rasierklinge und Brachialgewalt abreißen, sonst geht da gar nichts.

== Bemoosung ==
Moose und Farne wachsen hervorragend auf LTG! Man zerkleinert mit dem Mixer gewünschte Moose vorher und gibt sie dem Torf-Latexbindemittel-Gemisch bei. Noch besser: Nach einigen Wochen, wenn das Torf-Latexbindemittel-Gemisch gut durchfeuchtet ist, mit dem Wassersprüher Wasser-Moos-Sud aufsprühen. Auslegen von Moosen geht natürlich auch. In jedem Fall ist für ausreichende Feuchtigkeit zu sorgen. Auch das Bestreichen der Oberfläche mit Farnsporen kann Erfolg zeitigen.

== Haltbarkeit ==
Es fehlen hier Erfahrungswerte, wie haltbar LTG ist bzw. wie es sich im Laufe der Jahre verändert.

== Trocknung ==
Bei 1:3-Mischung und dickem Auftragen muss man die Wand mehrere Wochen lang austrocknen lassen. Dick auftragen braucht man aber gar nicht! Die Pflanzen sind doch Epiphyten, keine Pfahlwurzler... Die Wurzeln der Farne laufen sogar über die Oberfläche! Es reicht daher sicherlich eine Schicht von 1 cm. Den Trocknungsprozess kann man tüchtig mit Fön oder Heißluftofen beschleunigen. Täglich mehrmals überfönen, richtig heiss werden und wieder abkühlen lassen, beschleunigt die Prozdur der Trocknung um ein Vielfaches!

== Ungeduld wird bestraft ==
Wer ungeduldig ist und nicht abwarten kann: Sobald Wasser durch nur halbgetrocknete Latexbindemittel-Torfmasse läuft, tritt weisser Schaum aus, nämlich Latexbindemittel, das ausgewaschen wird - und die Masse verflüssigt sich. Im Schadensfall sollte helfen, wenn man die Stelle 2 Tage nachtrocknen lässt und dabei mit Fön und natürlich abgestellter Beregnung bearbeitet. LTG ist trocken, wenn es bretthart ist, eine braune Farbe annimmt und auf Fingerdruck kaum mehr nachgibt. Einmal durchgetrocknet, wird es bei Beregnung wieder weich und schwarz sobald es Wasser aufgenommen hat, bleibt aber stabil.

== Risse ==
Bei einer Mischung von 1:3 treten Risse praktisch gar nicht auf oder jedenfalls nur dort, wo man schlecht gearbeitet hat, also Verarbeitungsfehler. Typischerweise passiert es dort, wo man andockt und nicht gut beide Schichten miteinander verknetet. Deswegen muss man sich aber weder wegen der Haltbarkeit noch wegen der Haftung den Kopf zerbrechen. Das Material hält hervorragend. Die Risse verbessern u.U. sogar noch das Aussehen. Felsen bekommen ja auch Risse! Aus einer Not eine Tugend machen, notfalls Risse, wo störend, weil Styropor durchkommt, nachbessern.

== Untergrund aus Styrodur ==
Besser Styordur als Styropor verwenden: es lässt sich leichter modellieren, isoliert besser und ist fast wasserdicht, anders als Styropor, durch das das Wasser hindurchsuppt. Mit dem Modellieren jedoch nicht übertreiben, am Ende wuchern doch Pflanzen darüber, so dass man nur noch Teile von dem sieht, was man mühevoll angelegt hat.

== Bodengrund ==
Auch als Bodengrund ist es sehr gut geeignet, da man es ggf. auch abwaschen kann. Auf einem Boden, der mit LTG über einer Drainage aufgebaut ist, bilden sich keine Lachen. Es wachsen hervorragend Moose und andere Pflanzen. Von Sumpfbildung keine Spur. Es löst sich auch nichts ab.

== Wasserqualität ==
LTG ergibt bernsteinfarbenes, klares Wasser ohne Schlammbildung im Wassergraben und im Filterbecken, so wie man es im Zoo in den Amazonas-Aquarien sieht ("Schwarzwasser"). Es gibt auch keine Probleme mit Veralgung. Sollte sich im Wasserlauf anfangs eine Art Schleim bilden, so braucht man sich deswegen keine Sorge machen, da dieser nach ca. 3 Wochen wieder von ganz alleine verschwindet.

== Einlaufen ==
Es dauert Tage bis LTG die Feuchtigkeit komplett annimmt, die den gewählten Terrarienbedingungen eigen sind. Die rel. Luftfeuchtigkeit steigt skuzessive im Laufe von Wochen von etwa 50% auf annähernd 90-95% bei 24°C. Wer zudem eine Bewässerung der Oberkante (wie Xaxim-Bewässerung) vornimmt, der braucht seine Pflanzen gewiss nicht mehr auf Moospolster aufbinden, im Gegenteil - sonst faulen sie.

== Achtung ==
Wer Glas-Glas-Ecken direkt ausfüllt sollte wegen etwaigen Aufquellens der Masse eine Fuge anbringen, da sonst das Glas springen kann (vgl. http://www.rep-til.de/bilder/Froschterra...wall13.JPG); ist Styropor darunter, dann besteht keine Gefahr. Außerdem darauf achten, dass Überhänge über dem Belüftungssteg tropfen können! Bei mir hat dies über Nacht die erste Lekage ergeben, und zwar literweise auf dem Fussboden! Lösung: Dafür sorgen, dass Überhänge mit einer wasserdichten Schicht nach unten abgedichtet werden, so dass das Wasser nach innen abgeführt wird (vgl. http://www.rep-til.de/bilder/Froschterra...wall02.JPG).

== Kosten ==
Wenn man ca. 10 Liter Baufan Latex-Bindemittel und 40 Liter Floragard Boy Schwarztorf verbraucht, dann ergeben sich für den Torf ca. 5 Euro und für das Latex-Bindemittel rund 50 Euro (für ein Terrarium der Größe 0,8 x 0,5 x 1,0 BHT mit dicker Beschichtung). Für einen kleinen Standardwürfel mit normalem Auftrag kann man daher mit 25 Euro hinkommen.

== Xaxim, Peatwall oder RFB? ==
Xaxim wird von vielen als die beste Lösung geschätzt. Xaxim hat aber neben den hohen Kosten den erheblichen Nachteil, dass es sich nur sehr schwer verarbeiten lässt und daher nur für relativ grobe Strukturen taugt. Peatwall und RFB dürften ebenfalls Torf und Latex-Bindemittel als Ausgangsmaterial haben, sind also grundsätzlich nichts anderes, obschon die Hersteller die genaue Zusammensetzung geheim halten.

Posted on Wed, 07 Oct 2009 13:28:04 GMT at http://wiki.frogpix.de/index.php/Anleitu...-Gemisches
Comments: http://wiki.frogpix.de/index.php/Diskuss...-Gemisches


http://www.frogtalk.de
Gespräche über Pfeilgiftfrösche
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Ich weiss nix!
07.10.2009 16:19
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