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Anleitung zur Herstellung und Anwendung des Torf-Latex-Gemisches
Rindviech
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Anleitung zur Herstellung und Anwendung des Torf-Latex-Gemisches

Zusammenfassung:

Bezugsquelle: Man kann auch bei Baufan in Leipzig (http://www.baufan.de) anrufen und sich erkundigen, über wen man das Latex-Bindemittel beziehen kann. Mir wurde erklärt, dass es in Ostdeutschland absolut gängig wäre, da es dort traditionell (Tapeten-)Farben beigemischt würde, aber in Westdeutschland leider nicht. Hier in Hamburg musste ich das Bindemittel schließlich über OBI bestellen. Zwar gab es Baufan Latex-Bindemittel schon vorrätig, aber nur in kleinen Gebinden - und ich habe 2x 5 Liter bestellt und am Ende auch für mein 1x0,5x0,8m HTB Terrarium benötigt, allerdings weil ich (zu) dick aufgetragen habe. Von anderen wurde kritisiert, ich hätte viel zu viel Latex verwendet, aber nur so konnte ich Überhänge (!) an Ästen und Felsen einigermaßen problemlos modellieren ohne das Terrarium auf den Kopf zu stellen.

Mischungsverhältnis: Mein Eindruck ist, da kann man fast nichts falsch machen, Hauptsache, das Resultat hält. Mehr Latex als Torf nehmen geht natürlich auch ins Geld, weswegen es sicherlich keine übermäßig gute Idee ist, aber 1:2 und abwärts ist alles machbar. Nimmt man zu viel Torf, dann bekommt man Probleme, da es dann zu bröseln anfängt und nicht mehr richtig haften will. Ich habe für die Wände und Überhänge ca. 1:3 gemischt (für 25 Liter Torf habe ich anfangs ca. 7,5 Liter Latex-Bindemittel verbraucht), für den Boden (wegen der Kritik, ich würde zu viel Latex verwenden), ca. 1:4 (Gesamtrelation: 10 Liter Latex-Bindemittel auf 40 Liter Torf). Nimmt man unterschiedliche Mischungsverhältnisse, dann bekommt man auch unterschiedliche Oberflächen - wächst am Ende aber eh Moos drüber (es sei den zu trocken), so dass egal...

Auftragen: Zum Auftragen eine handvoll Masse in der Hand gut durchkneten bis aus dem ursprünglich schwarzen Schwarztorf-Latexgemisch, das beim Mischen schon leicht grau wird, eine richtig graue (!) Masse entsteht. Die klebt dann deutlich besser als wenn man das Zeug direkt draufklatscht. Keine Angst: nach der Trocknung sieht man vom Latex gar nichts mehr, alles wird tiefschwarz... Längeres Andrücken und Drankneten hilft beim Anbringen auch. Hilfreich ist auch, die Oberfläche erstmal mit dem Zeug einzuschmieren!!! Danach hält es viel besser und schneller. (Ich rede hier von Problemzonen, an normalen Wänden hält es sowieso.) Es ist wichtig, dass die Masse mit dem Untergrund "vernetzt". Ist das einmal der Fall, egal ob es unbehandeltes Glas, Styropor oder sonstwas ist, dann hält die Masse nach einigen Minuten sehr gut, sogar hängend, z.B. an einer Kunstast-Unterseite. Notfalls das mit dem Gemisch eingekleidete Objekt zur Stütze mit Bindfaden umwickeln.

Verarbeitungszeit: Bei Zimmertemperatur merkt man, wie die Masse nach etwa 1,5 Stunden weniger geschmeidig wird; etwas Latex zumischen hilft dann ggf., um die Konsistenz bzw. Verarbeitungsqualität zu verbessern.

Haftung: Das Zeug haftet bei einer Mischung von ca. 1:2 bis 1:3 Latex:Torf verdammt gut! Macht doch mal einen Test auf einer Glasscheibe - danach müsst ihr es mit Rasierklinge und Brachialgewalt abreißen, sonst geht da gar nix. Und das Saug- und Speichervermögen und die Durchlässigkeit ist immer noch hervorragend, entgegen der Kritiker, die meinten, wenn man mehr als 1:3 verdichtet, dann würde die Qualität darunter leiden - kann ich nicht feststellen. Moose und Farne wachsen auch so hervorragend! Wer will zerkleinert mit dem Mixer gewünschte Moose vorher und gibt sie dem Torf-Latex-Gemisch bei. Noch besser: Nach einigen Wochen, wenn das Torf-Latex-Gemisch gut durchfeuchtet ist, mit dem Wassersprüher Wasser-Moos-Sud aufsprühen...

Haltbarkeit: Mit heißem Wasser habe ich die Wand nicht besprüht - und jahrelange Erfahrung habe ich auch keine. Also kann ich keine Aussage über Dauer machen. Ich möchte aber behaupten, dass die Haftung und Haltbarkeit durch warmes Wasser nicht eingeschränkt wird, da Latex, einmal getrocknet, relativ wasser- und temperaturunempfindlich ist.

Trocknung: Bei 1:3-Mischung und dickem Auftragen muss man die Wand mehrere Wochen lang austrocknen lassen. Dick auftragen braucht man aber gar nicht! Die Pflanzen sind doch Epiphyten, keine Pfahlwurzler... Die Wurzeln der Farne laufen sogar über die Oberfläche! Es reicht daher sicherlich eine Schicht von 1 cm oder weniger. Den Trocknungsprozeß kann man tüchtig mit Fön oder Heißluftofen beschleunigen. Hilft ungemein! Täglich mehrmals überfönen, richtig heiss werden und wieder abkühlen lassen. Beschleunigt die Prozdur der Trocknung um ein Vielfaches!

Ungeduld wird bestraft: Wer ungeduldig ist und nicht abwarten kann: Sobald Wasser durch nur halbgetrocknete Latex-Torfmasse läuft, tritt weisser Schaum aus, nämlich Latex, das ausgewaschen wird - und die Masse verflüssigt sich. Das musste ich erfahren, als ich direkt am Wasserlauf nachgebessert und nur einen Tag gewartet habe. Das Gemisch war innerhalb von Minuten aufgeweicht und drohte sich zu verflüssigen! 2 Tage nachtrocknen mit Fön und natürlich abgestelltem Wasserlauf haben das Problem behoben (die Schicht war dort recht dünne, darum ging das Trocknen relativ schnell). Jetzt wächst auf dieser Problemzone bereits nach 8 Wochen Javamoos... Trocken ist das Gemisch dann, wenn es bretthart ist, eine braune Farbe annimmt und kaum mehr nachgibt. Einmal durchgetrocknet, wird es wieder weich und schwarz sobald es Wasser aufnimmt, bleibt aber stabil.

Risse: Bei einer Mischung von 1:3 treten Risse praktisch gar nicht auf oder jedenfalls nur dort, wo man schlecht gearbeitet hat, also Verarbeitungsfehler. Typischerweise passiert es dort, wo man andockt und nicht gut beide Schichten miteinander verknetet. Ich würde mir aber weder wegen der Risse noch wegen der Haltbarkeit oder der Haftung den Kopf zerbrechen. Das Material ist hervorragend! Die Risse verbessern doch die Ästhetik! Felsen bekommen ja auch Risse! Aus einer Not eine Tugend machen, notfalls Risse, wo störend, weil Styropor durchkommt, nachbessern. Und übrigens: Besser Styordur als Styropor. Lässt sich leichter modellieren, isoliert besser und ist fast wasserdicht, anders als Styropor, durch das das Wasser hindurchsuppt. Mit dem Modellieren nicht übertreiben, am Ende wuchern doch Pflanzen darüber, so dass man nur noch Teile von dem sieht, was man mühevoll angelegt hat...

Bodengrund: Kein Problem, bei mir läuft es vom Wasserlauf am ganzen Berg runter, da das Styropor undicht ist und das Moos kapillarträchtige Wasserläufe produziert, die niemand vorhersehen kann - ein einziges Getropfe und Gerinne, aber am Bodengrund, der auch mit Torf-Latex aufgebaut ist, steht keine Lache und es wachsen hervorragend Moose und irgendwelche Pflänzchen, keine Ahnung, was das ist. Von wegen Sumpf, keine Spur. Es löst sich auch nichts ab.

Wasserqualität: Habe astreines Schwarzwasser im Wassergraben und im Filterbecken, so wie man es im Zoo in den Amazonasaquarien sieht. Gefällt mir super. Bislang keinerlei Probleme mit Veralgung. Anfangs bildete sich allerdings eine Art Schleim, ziemlich eklig, aber der war nach 3 Wochen wieder verschwunden und jetzt habe ich bernsteinfarbenes, klares Wasser ohne Schlammbildung.

Einlaufen: Es dauert Tage bis das Torf-Latex-Gemisch die Feuchtigkeit komplett annimmt, die den gewählten Terrarienbedingungen eigen sind. Bei mir ging es skuzessive im Laufe von Wochen von 50% rel. Luftfeuchte auf nunmehr annähernd 90% bei 24°C hoch. Wer zudem eine Bewässerung der Oberkante (wie Xaxim-Bewässerung) vornimmt, der braucht seine Pflanzen gewiss nicht mehr auf Moospolster aufbinden, im Gegenteil - sonst faulen sie nur.

Achtung: Wer Glas-Glas-Ecken direkt ausfüllt sollte wegen etwaigen Aufquellens der Masse eine Fuge anbringen, da sonst das Glas springen kann (vgl. http://www.rep-til.de/bilder/Froschterra...wall13.JPG); ist Styropor darunter, dann besteht keine Gefahr. Außerdem darauf achten, dass Überhänge über dem Belüftungssteg tropfen können! Bei mir hat dies über Nacht die erste Lekage ergeben, und zwar literweise auf dem Fussboden! Lösung: Dafür sorgen, dass Überhänge mit einer wasserdichten Schicht nach unten abgedichtet werden, so dass das Wasser nach innen abgeführt wird (vgl. http://www.rep-til.de/bilder/Froschterra...wall02.JPG).

Kosten: Habe so ca. 10 Liter Baufan Latex-Bindemittel und 40 Liter Floragard Boy Schwarztorf verbraucht. Torf hat rund 5 Euro oder so gekostet (erinnere mich nicht mehr genau) und das Latex-Bindemittel rund 50 Euro. Für einen kleinen Standardwürfel mit normalem Auftrag müsste man daher locker mit 25 Euro hinkommen. Das ganze Gerede um RFB und sonstnochwas kann man sich sparen. Das kann jeder selbst machen und (vermutlich) wesentlich kostengünstiger.

Xaxim versus Latex-Torf? Xaxim soll trotzdem besser sein? Von (hartem) Xaxim möchte ich gar nichts mehr wissen, das Anbringen von Pflanzen auf dem harten Material ist viel schwieriger... War eine Fehlanschaffung: Ökologisch bedenklich, vielfach teurer, hart wie ein Brett, dumm zu verarbeiten, schwierig zu bepflanzen und am Ende tot wie ein Ast.

Posted on Sun, 03 May 2009 21:11:43 GMT at http://wiki.frogpix.de/index.php/Anleitu...-Gemisches
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Gespräche über Pfeilgiftfrösche
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Ich weiss nix!
03.05.2009 23:28
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