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Offener Brief
Rindviech
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Beitrag: #1
Offener Brief

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Zuständinge Veterinäre
Börsenbetreiber
Pro Wildlife e.V.
Deutscher Tierschutzbund e.V
DGHT

Stellungnahme zu den Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten

Sehr geehrte Damen und Herren,

Aus Tierschutzaspekten lehnen wir eine Mindestbehältergrösse von 10x10x10 cm für Frösche der Familie Dendrobatidae (nachfolgend Dendrobaten genannt) ab.
vgl. S. 22 (Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten.)

Zitat: "Die Behältnisse müssen, u.a. um ein Mindestmaß an Klimastabilität zu gewährleisten, eine Mindestgröße von ca. 10 x 10 x 10 cm aufweisen"
S.22 (Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten.)


Erlauben Sie uns jedoch vorher eine kurze Vorstellung:

In der Online-Community dendrobatenforum.info (http://www.dendrobatenforum.info) tauschen sich die Mitglieder (derzeit über 4000) über die artgerechte Haltung von Tieren der Familie Dendrobatidae aus.
Zu unseren Mitgliedern gehören neben Wissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen, Buchautoren, engagierten verantwortungsbewussten Züchtern auch der normale Froschhalter von nebenan.
Wir sind bestrebt sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse über Haltung und Vermehrung von Dendrobaten, den fortwährenden Biotopzerstörungen in den Ursprungsländern, wie auch die Problematik des globalen Amphibiensterbens in Diskussionen für Jedermann verständlich zu vermitteln.
Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist die fortwährende Optimierung der Haltung, als Basis für eine erfolgreiche Nachzucht über mehrere Generationen.
Wir bieten unseren Mitgliedern die Möglichkeit zum Austausch der Tiere, um den Genpool möglichst gross zu halten.
Dendrobatenforum.info – sieht sich dabei als Fachforum.



Die Mindestgrösse von 10x10x10 cm gilt es aus folgenden tierschutzrelevanten Gründen abzulehnen:
1. Bei Dendrobaten handelt es sich häufig um sehr kleine Frösche ab ca 13mm. In grossen Behältern finden die Tiere keine Sicherheit, was sich durch unkontrollierte Sprünge beim Transport bemerkbar macht. Zum einen vergrössert sich der Stressfaktor für die Tiere und zum anderen steigt damit die Verletzungsgefahr gerade während des Transportes.

2. Die Mindestbehältergrösse wird mit einem Mindestmass an Klimastabilität begründet. Dies ist zumindest bei "Dendrobaten" falsch. Bei den Verkaufs- und Transportdosen handelt es sich um dünnwandige Kunststoffbehälter. Die hohe Luftfeuchtigkeit, die für die Tiere überlebensnotwendig ist, wird durch Auslegen des Bodens mit angefeuchtetem Zellstoff gewährleistet. In grösseren Behältern lässt sich eine Sättigung der Luft schwieriger herstellen, da eine grössere Luftmenge angefeuchtet werden muss.
Dünnwandige Kunststoffbehälter haben eher schlechte Isolierungseigenschaften. So dass eine Temperaturstabilität auch bei der gewünschten Behältergrösse nicht gewährleistet wird.
Wir halten die Argumentation für gefährlich, da es auch in diesen Behältern während des Transportes sehr schnell zur Überhitzung oder Unterkühlung der Tiere kommen kann und das würde für die Tiere den Tod bedeuten.

3. In grossen Behältern werden die Tiere schlechter gesehen. Es ist damit schwerer sich vom Gesundheitszustand des Tieres zu überzeugen. Wir gehen davon aus, dass die Verkaufsbehälter auf Börsen deshalb häufiger geschüttelt werden, auch bei einer tierärztlichen Kontrolle. Dies bedeutet mehr Stress für die Tiere und ist aus Aspekten des Tierschutzes abzulehnen.

4. Verantwortungsvolle Froschhalter werden auf Grund der oben beschriebenen Verletzungsgefahr die Tiere in kleineren Behältnissen transportieren. Im Rahmen einer Börse müssten dann die Tiere von kleinen Transportbehältern in grosse Verkaufsdosen umgesetzt werden und dann wieder zurück in die kleineren Transportdosen.
Dies ist unzumutbarer Stress für die Tiere.

Die beschriebene Mindestgrösse der Verkaufsbehälter ist mit der bestehenden Argumentation nicht nur unsinnig, sondern birgt auch weitere Gefahren. Dies kann nicht im Sinne des Tierschutzes sein.

Für eine tierschutzgerechte Austragung von Börsen, auf denen Dendrobaten verkauft werden, fordern wir daher Folgendes:
1. Die Behälter müssen ausreichend dimensioniert sein und gleichzeitig muss eine Verletzungsgefahr durch das Tier ausgeschlossen werden. Wir schlagen daher folgende Behälter vor: Runde Verkaufsdosen mindestens 2x KRL des Frosches. Eckige Behälter bedeuten ein höheres Verletzungsrisiko. In runden Dosen wird die Aufprallenergie besser verteilt. Bei grösseren Behältern wird durch die Beschleunigung die Aufprallenergie grösser und es entsteht eine höhere Verletzungsgefahr.
2. Die Behälter müssen mit angefeuchteten Zellstoff als Bodengrund ausgestattet sein.
3. Die Tiere müssen in thermosiolierten Boxen transportiert werden und in diesen einzeln in geeigneten Behältern untergebracht werden. Ggf. sind Heiz- bzw Kühlvorrichtungen in diesen Boxen vorzuhalten.
4. Die Verkaufsdosen müssen mit einer Versteckmöglichkeit ausgestattet sein. Hierfür haben sich grössere Pflanzenblätter bewährt. Keinesfalls darf von den Versteckmöglichkeiten eine Verletzungsgefahr während des Transportes ausgehen.
5. Während des Transportes muss es im Transportbehälter dunkel sein.
6. Die Behälter dürfen nur von einer Seite einsehbar sein.
7. Verkäufer müssen einen ausreichend grossen Verkaufsstand vorhalten (siehe Abb. im Anhang) Zum einen sorgt ein solcher Stand dafür, dass die Verkaufsdosen nicht berührt werden können. Zum anderen lässt sich in einem solchen Behälter ggf. durch geeignete Kühl bzw. Heizgeräte die geforderte Klimastabilität herstellen. Ein solcher Verkaufsstand lässt sich einfach und kostengünstig herstellen und ist daher zumutbar.


Wir möchten sie daher nochmals darauf aufmerksam machen, dass eine Mindestgrösse der Verkaufsbehälter von 10x10x10cm aus tierschutzrelevanten Gründen abzuweisen ist und fordern stattdessen die Umsetzung unserer vorgeschlagenen Massnahmen, die sowohl den Aspekt der Klimastabilität, als auch eine minimierte Verletzungsgefahr und Stressreduzierung bedeuten.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.



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Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.08.2011 01:53 von Rindviech.

03.08.2011 01:37
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dlca
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Beitrag: #2
RE: Offener Brief

Hi,
Besonders gut finde ich die Punkte mit der Iso-Box und dem Verkaufstand. Habe schon ein paar Leute gesehen, die einfach so mit der Dose in der Hand zum Auto gelaufen sind, ganz nach dem Motto, die kurze Strecke werden die Frösche schon aushalten.
Allerdings frage ich mich, ob runde Dosen wirklich so viel besser sind als eckige. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Ecken als Rückzugs- und Orientierungspunkte genutzt werden könnten und ein Frosch ohne diese sich panisch im Kreis bewegt. Irgendwo hatte ich schonmal gelesen, dass auf einer Börse auch runde Behälter verboten waren.


greetings
Nils
03.08.2011 11:03
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Rindviech
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Beitrag: #3
RE: Offener Brief

lieber ein frosch der 5x im kreis hüpft als einer der mit voller wucht gegen ne ecke knallt und ne verletzte nase hat - ich hab mich erkundigt es gibt dazu bereits von einigen die eckige dosen probiert haben erfahrungswerte


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03.08.2011 11:49
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Dude
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Beitrag: #4
RE: Offener Brief

war da nicht irgendwas mit unnatürlich im Kreis hüpfen bei den runden Dosen ^^? sollten sie nicht lieber um die Ecke hüpfen was der Natur am nächsten ist?


Mfg Thomas


Wenn die Klügeren immer nachgeben, geschieht nur das, was die Dummen wollen.



03.08.2011 14:06
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heiko1
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Beitrag: #5
RE: Offener Brief

Vielen vielen Dank an Rind für die Arbeit.
Ich hoffe der Brief bewirkt etwas.

VG
heiko

03.08.2011 14:13
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Rindviech
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Beitrag: #6
RE: Offener Brief

1. habe ich noch nie beobachtet, dass ein frosch unkoordiniert im kreis hüpft
2. bleiben die nicht in der ecke sitzen die springen wenn sie erschrecken immer nach oben
3. kommt es wenn sie in die Ecke springen zum Schnautzensyndrom und das nicht nur bei wenigen Tieren - sprich die Tiere verletzen sich die Nase.
Sie hüpfen also nicht um die Ecke sie knallen mit der Nase in die ECKE und verletzen sich und das kann nicht Tierschutzkonform sein.

Wenn mir das Züchter erzählen die rechteckige Dosen ausprobieren mussten und 40% der nicht verkauften Tiere eine blutige Nase haben dann ist das weder natürlich nicht tierschutzkonform.


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Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 03.08.2011 18:41 von Rindviech.

03.08.2011 14:16
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Froschtom
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Gruppe: Stammtischorga
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Beitrag: #7
RE: Offener Brief

Hallo Klaus,

kann mich Heiko nur anschliessen, danke!

Gruss
Thomas

03.08.2011 14:16
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Dude
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Beitrag: #8
RE: Offener Brief

war eigentlich auch als Witz gedacht letzteans im Chat kam ein Gespräch auf wo es um unnatürliches im Kreishüpfen ging und die frage kam ob um die Ecke hüpfen natürlicher wäre ^^


Mfg Thomas


Wenn die Klügeren immer nachgeben, geschieht nur das, was die Dummen wollen.



03.08.2011 14:28
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Nilaca
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Beitrag: #9
RE: Offener Brief

Hallo Rindviech,

super Brief, schon mal danke für Deine Mühe.

@Dude
auf irgendeiner Börse, ich glaube das war im Bundesland Niedersachsen, waren runde Dosen verboten. ( Goldfischsyndrom ).

Gruß Carsten

03.08.2011 16:14
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petymans
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Beitrag: #10
RE: Offener Brief

Vielen Dank Rind

Bye
Stefan

03.08.2011 16:17
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